
Grundsteuer Österreich: Höhe, Berechnung und Reform 2026
Wer in Österreich ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück besitzt, kennt sie: die Grundsteuer. Doch wie wird sie eigentlich berechnet, und wer legt fest, wie viel am Ende zu zahlen ist? Das System folgt einer klaren Formel aus Einheitswert, Steuermesszahl und Hebesatz – wer sie versteht, kann die jährliche Belastung selbst abschätzen. Und wer den Blick auf 2026 richtet, sollte jetzt schon wissen, welche Neuregelungen auf Eigentümer zukommen.
Jährlicher Mindestbetrag für vierteljährliche Zahlung: 75 Euro ·
Zahlungstermine: 15. Feb, 15. Mai, 15. Aug, 15. Nov ·
Steuermesszahl Grundsteuer B: 0,2 % des Einheitswerts ·
Steuermesszahl Grundsteuer A: 0,5 % des Einheitswerts ·
Hebesatz (gemeindeabhängig): ca. 300–500 %
Kurzüberblick
- Die Grundsteuer ist eine Sachsteuer auf inländischen Grundbesitz (Bundesministerium für Finanzen (Österreich)).
- Die Bemessungsbasis ist der Grundsteuermessbetrag (BMF).
- Der Hebesatz darf 500 % nicht überschreiten (BMF).
- Bei Jahresbeträgen über 75 Euro erfolgt die Einhebung vierteljährlich (BMF).
- Exakte Hebesätze jeder Gemeinde – variieren stark und sind oft nicht online verfügbar.
- Auswirkungen der Reform 2026 – Höhe der neuen Einheitswerte noch nicht final.
- Ob und wie stark die Grundsteuer insgesamt steigen wird – hängt von politischen Entscheidungen ab.
- 1955: Inkrafttreten des Grundsteuergesetzes.
- 2023–2024: Diskussion zur Grundsteuerreform – neue Einheitsbewertung.
- 2026: Geplante Neuregelung der Einheitswerte und mögliche Hebesatzänderungen.
- Die Reform der Einheitswerte ab 2026 könnte zu höheren Steuerlasten führen.
- Gemeinden können ihre Hebesätze anpassen – derzeitiger Höchstwert 500 % bleibt vorerst.
- Bundesländer könnten neue Befreiungen für geförderten Wohnbau erlassen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Steuerart | Substanzsteuer auf Grundbesitz |
| Gesetzliche Grundlage | Grundsteuergesetz 1955 (mit Novellen) |
| Bundeseinheitlich? | Ja, aber Hebesätze variieren lokal |
| Fälligkeit | Vierteljährlich / jährlich bei < 75 € |
| Steuermesszahl A | 0,5 % |
| Steuermesszahl B | 0,2 % |
| Typischer Hebesatz | 300–500 % |
| Befreiungen | Öffentliche Hand, Religion, Gemeinnützigkeit |
| Zukunft | Reform ab 2026 geplant |
Wie hoch ist die Grundsteuer in Österreich?
Die Höhe der Grundsteuer ergibt sich aus drei Faktoren: dem Einheitswert des Grundstücks, der Steuermesszahl und dem Hebesatz der Gemeinde. Die Formel lautet: Grundsteuer = Einheitswert × Steuermesszahl × Hebesatz. Der Hebesatz wird von der Gemeinde festgelegt und liegt meist zwischen 300 und 500 Prozent (BMF, Steuerrichtlinie).
Eigentümer einer Eigentumswohnung in einer Gemeinde mit 500 % Hebesatz zahlen mehr als das Doppelte dessen, was in einer Nachbargemeinde mit 300 % fällig wird – ohne dass sich der Wert der Immobilie geändert hat.
Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus
- Angenommener Einheitswert: 50.000 €
- Steuermesszahl (B): 0,2 % → 100 €
- Hebesatz 400 % → Jahressteuer = 100 € × 4 = 400 € (WKO, Berechnungsbeispiel)
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus fallen jährlich rund 200 bis 600 Euro an – abhängig von Lage, Grundstücksgröße und Gemeindesatz. Das Muster: Je höher der Hebesatz, desto mehr schlägt der Einheitswert auf die Steuer durch.
Einfluss des Hebesatzes auf die Steuerhöhe
Ein Hebesatz von 300 % bedeutet: Der Grundsteuermessbetrag wird verdreifacht. Bei 500 % versiebenfacht sich die Steuer (da 500 % = Faktor 5). Der gesetzliche Höchstwert von 500 % stellt sicher, dass keine Gemeinde übermäßig belasten darf (BMF, Hebesatzgrenze).
Wie viel Grundsteuer für ein Einfamilienhaus in Österreich?
Die konkrete Rechnung für ein Einfamilienhaus zeigt, wie die Formel in der Praxis wirkt. Neun von zehn Eigentümern können ihre jährliche Grundsteuer mit drei einfachen Schritten selbst berechnen.
Schritt-für-Schritt-Berechnung
- Einheitswert ermitteln: Das Finanzamt stellt diesen auf Basis von Grundstücksgröße, Lage und Bebauung fest (BMF, Einheitsbewertung).
- Steuermesszahl anwenden: für Grundsteuer B sind es 0,2 % des Einheitswerts (WKO, Steuermesszahlen).
- Hebesatz der Gemeinde multiplizieren: Den aktuellen Satz erfragen Sie beim Gemeindeamt oder auf der Website Ihrer Kommune.
Beispiel mit typischen Werten
Einheitswert 50.000 € × 0,2 % = 100 € (Grundsteuermessbetrag). Bei einem Hebesatz von 400 % ergibt sich eine Jahressteuer von 400 €. Steigt der Hebesatz auf 500 %, wären es 500 €. Die Spanne von 100 € zeigt: selbst bei gleichem Einheitswert können sich die Kosten um 25 % unterscheiden.
Der Einheitswert gibt oft nicht den aktuellen Marktwert wieder – er stammt in vielen Fällen noch aus den 1970er-Jahren. Eine Anpassung 2026 könnte die Steuerlast sprunghaft erhöhen.
Das bedeutet: Wer heute seinen Hebesatz kennt, kann die künftige Belastung nur grob schätzen – die Reform 2026 wird neue Fakten schaffen.
Wie oft muss man Grundsteuer in Österreich zahlen?
Die Fälligkeitstermine sind bundeseinheitlich geregelt – das erleichtert die Planung. Bei Jahresbeträgen über 75 Euro wird die Grundsteuer in vier Teilbeträgen fällig: jeweils am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November (BMF, Zahlungsmodalitäten).
Vierteljährliche Zahlungstermine
- 15. Februar
- 15. Mai
- 15. August
- 15. November
Mindestbetrag für Teilbeträge
Liegt die Jahressteuer unter 75 Euro, erfolgt die Einhebung einmal jährlich zum 15. Mai. Das betrifft vor allem sehr kleine Grundstücke oder landwirtschaftliche Flächen mit geringem Einheitswert. Der Gesetzgeber erspart Eigentümern so den Aufwand für vier einzelne Zahlungen.
Die Implikation: Wer erst am 16. eines Fälligkeitstermins zahlt, sollte mit Säumniszuschlägen rechnen – die Gemeinden sind hier strikt.
Wer zahlt in Österreich keine Grundsteuer?
Das Grundsteuergesetz sieht umfangreiche Befreiungen vor. Sie gelten vor allem für die öffentliche Hand, religiöse Einrichtungen und gemeinnützige Organisationen. Die Entscheidung über dauernde Befreiungen trifft das jeweils zuständige Lagefinanzamt (BMF, Befreiungsregelung).
Befreiung für öffentliche Einrichtungen
- Bund, Länder und Gemeinden für hoheitliche Aufgaben
- Öffentliche Verkehrswege und fließende Gewässer (§ 2 GrStG)
- Kirchen, religiöse Orden, Stiftungen (WKO, Befreiungstatbestände)
Befreiung für bestimmte Nutzungen
Land- und forstwirtschaftliche Betriebe zahlen Grundsteuer A, sind aber nicht immer voll steuerpflichtig – etwa wenn Flächen für Naturschutz oder gemeinnützige Zwecke genutzt werden. Auch landesrechtliche Förderungen können zeitlich begrenzte Befreiungen für neu geschaffene geförderte Wohnobjekte gewähren (BMF, regionale Befreiungen).
Das Muster: Wer keine direkten Einnahmen aus dem Grundstück erzielt, kann unter bestimmten Bedingungen von der Steuer befreit werden – das System zielt auf die tatsächliche Nutzung ab.
Wie wird die Grundsteuer in Österreich berechnet?
Die Berechnung folgt einem dreistufigen Schema, das für jedes Grundstück gleich läuft. Der Unterschied zwischen land- und forstwirtschaftlichen Flächen (A) und sonstigem Grundbesitz (B) liegt in der Steuermesszahl.
Einheitswert ermitteln
Das Finanzamt stellt den Einheitswert auf Basis der Grundstücksgröße, der Lage und der Bebauung fest. Für Einfamilienhäuser wird der Wert nach dem sogenannten „Bodenwert plus Gebäudewert“ ermittelt (WKO, Einheitswertmethode). Die letzte Hauptfeststellung datiert aber auf 1973 – die Werte sind oft stark veraltet.
Steuermesszahl anwenden
- Grundsteuer A (Landwirtschaft): 0,5 % des Einheitswerts
- Grundsteuer B (alle anderen): 0,2 % des Einheitswerts
Die Steuermesszahl ist bundesweit einheitlich – sie wird durch das Grundsteuergesetz festgelegt (WKO, Steuermesszahlen).
Hebesatz der Gemeinde
Den Hebesatz bestimmt jede Gemeinde durch Verordnung. Er darf 500 Prozent nicht überschreiten. Im Durchschnitt liegt er bei rund 400 Prozent, die Spanne reicht von 300 bis 500 Prozent. Der tatsächliche Satz ist entscheidend für die endgültige Steuerhöhe (BMF, Hebesatzregelung).
Zeitleiste: Entwicklung der Grundsteuer in Österreich
- : Inkrafttreten des Grundsteuergesetzes – bundeseinheitliche Regelung (Wikipedia, Grundsteuer in Österreich).
- : Diskussion zur Grundsteuerreform – neue Einheitsbewertung wird vorbereitet.
- : Geplante Neuregelung der Einheitswerte und mögliche Anpassung der Hebesätze.
Die Zeitleiste zeigt: Seit 70 Jahren hat sich am Grundsystem wenig geändert. Die Reform 2026 ist der erste ernsthafte Anlauf, die veralteten Einheitswerte zu aktualisieren. Für Eigentümer bedeutet das eine Phase der Unsicherheit – und der Chance auf politische Mitbestimmung.
Klarheit: Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- Vierteljährliche Zahlung ab 75 € Jahressteuer (BMF).
- Steuermesszahl A = 0,5 %, B = 0,2 % (WKO).
- Hebesatz wird von der Gemeinde festgelegt (BMF).
- Befreiungen für öffentliche und religiöse Nutzung (WKO).
Was unklar ist
- Exakte Hebesätze jeder Gemeinde – oft nicht online verfügbar.
- Auswirkungen der Reform 2026 – Höhe der neuen Einheitswerte noch nicht final.
- Ob und wie stark die Grundsteuer insgesamt steigen wird – hängt von politischen Entscheidungen ab.
Stimmen aus der Praxis
„Die Grundsteuer wird, sofern sie 75 Euro im Jahr übersteigt, in vier Teilbeträgen jeweils zum 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November eingehoben.“
– Bundesministerium für Finanzen (Österreich), offizielle Zahlungsinformation
„Der Grundsteuer unterliegt der inländische Grundbesitz, das ist land- und forstwirtschaftliches Vermögen (Grundsteuer A) und Grundvermögen (Grundsteuer B).“
– Wirtschaftskammer Österreich, Definition des Steuergegenstands
Beide Zitate belegen: Die Grundsteuer ist streng schematisch aufgebaut – aber die Wirkung hängt von lokalen Entscheidungen ab.
Zusammenfassung: Für wen sich jetzt Handlungsbedarf ergibt
Die Grundsteuer in Österreich bleibt 2025 noch berechenbar – die Formel ist klar, die Hebesätze sind begrenzt. Doch die Reform 2026 wird die Einheitswerte neu festlegen, und niemand weiß heute, wie stark die Steuerbelastung steigen wird. Für Eigentümer in Gemeinden mit hohem Hebesatz ist die Botschaft klar: Engagieren Sie sich jetzt in der lokalen Politik, oder rechnen Sie ab 2026 mit deutlich höheren Kosten.
homeday.de, baufi24.de, smartlandlord.de, sevdesk.de, immowelt.at, bundesfinanzministerium.de
Wer eine Immobilie erwirbt, sollte neben der Grundsteuer auch die Grunderwerbsteuer in Österreich im Blick haben, da sie als Nebenkosten schnell ins Gewicht fällt.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich die Grundsteuer von der Steuer absetzen?
Ja, als Werbungskosten bei Vermietung oder als Betriebsausgaben. Selbstnutzer können sie nicht absetzen.
Wann ist die Grundsteuer fällig, wenn sie unter 75 Euro liegt?
Einmal jährlich zum 15. Mai.
Gibt es eine Grundsteuer für Eigentumswohnungen?
Ja, auch Eigentumswohnungen unterliegen der Grundsteuer B – Berechnung wie bei Einfamilienhäusern.
Wie erfahre ich den Hebesatz meiner Gemeinde?
Fragen Sie beim Gemeindeamt nach oder suchen Sie auf der Website Ihrer Kommune. Einige Länder veröffentlichen Listen.
Was passiert, wenn ich die Grundsteuer nicht zahle?
Die Gemeinde mahnt und erhebt Säumniszuschläge. Bei längerem Ausstand kann die Zwangsversteigerung drohen.
Wie wird der Einheitswert für ein unbebautes Grundstück festgelegt?
Er wird durch die Fläche und den Bodenrichtwert bestimmt – ohne Gebäudewert.
Welche Unterlagen benötige ich zur Berechnung der Grundsteuer?
Den Einheitswertbescheid des Finanzamts und die Hebesatzverordnung Ihrer Gemeinde.
Unterscheidet sich die Grundsteuer für Gewerbeimmobilien?
Nein, sie unterliegt ebenfalls der Grundsteuer B mit denselben Steuermesszahlen.